Allein-Sein und Einsamkeit

Viele sind ständig unterwegs und vermeiden es allein zu sein. Hüpfen von Party zu Party, befinden sich in mehr oder weniger festen, aber wechselnden, Partnerschaften und sehen Ruhe als Qual, statt als Erholung an. Das alles nur um vor Problemen wegzurennen und um Gefühle zu verdrängen. Allein-Sein wird mit Langeweile gleichgesetzt. Bloß nicht nachdenken und reflektieren.

Allein-Sein ist nicht schwer

Als Einzelkind fällt es mir nicht schwer mich selbst zu beschäftigen, meine Selbstreflexion nimmt manchmal überhand und ich bin oft gerne alleine. Ich muss mich vor niemandem rechtfertigen, kann mein Frühstück im Bett essen, mit der Gesichtsmaske zu lauter Musik durch die Wohnung tanzen, einfach einen ganzen Tag mit Netflix verschwenden, wenn mir danach ist oder einfach mal Grafik-Ideen ausprobieren und umsetzen. Und trotzdem genieße ich die Gesellschaft von Freunden, bin gerne mit ihnen unterwegs und schätze die Gespräche mit meiner besten Freundin.

Zustandsbewertung

Allein-Sein ist ein Zustand. Einsamkeit ist die Bewertung des Zustands. Einsamkeit ist aber auch ein Gefühl. Man kann alleine sein ohne Einsamkeit zu verspüren, man kann sich aber auch einsam fühlen, wenn man nicht alleine ist. Das klingt jetzt alles verwirrend, dabei ist es ganz einfach. Allein-Sein ist nichts Schlimmes. Im Gegenteil: Es ist wichtig. Wichtig um zu verarbeiten und um zur Ruhe zu kommen. Wenn man von Beziehung zu Beziehung, oder von Party zu Party hüpft, kann man sich gar nicht fragen, ob man das ganze so möchte.

Einsamkeit dagegen ist ätzend. Es fühlt sich an wie eine Strafe. Nicht umsonst wird Isolationshaft im Gefängnis angewendet. Sie lähmt uns und löst ein Gedankenkarussell aus. Man fühlt sich verloren, wertlos und traurig. Es fällt schwer auch nur einen positiven Gedanken zu fassen. Manchmal hilft es die Einsamkeit einmal voll auszukosten, die Gefühle zu verarbeiten und dann weiter zu machen. Auch wenn es sich nicht so anfühlt, das Gefühl der Einsamkeit, ist ein Weckruf. Er soll uns dazu bringen, aktiv auf Leute zuzugehen – oder etwas an unserer momentanen Situation zu ändern. Selbst wenn man nur die beste Freundin zu sich einlädt, kann das schon helfen. Wer sich einsam fühlt, braucht das Gefühl gebraucht, beachtet und gemocht zu werden.

Kurz gesagt: Leute, die ab und zu gerne allein sind, sind nicht sofort einsam. Sie brauchen keine mitleidigen Blicke oder aufbauende Worte. Bewusstes und freies Allein-Sein ist wie ein Kurzurlaub und so sollte es auch geschätzt werden.

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