Bist du den ganzen Tag wütend?

Eine Chat-Nachricht von einem fremden Kerl: “Du hast echt ein süßes Lächeln!”, darauf ein skeptisches “Danke?” von mir. Währenddessen scheint sich der Kerl mein Profil weiter angeguckt zu haben, denn er schreibt: “Alphamädchen? Bist du Feministin?” – “Ja.” – “Also bist du den ganzen Tag wütend?”

Diese Frage irritierte mich. Ich habe davon gehört, dass man als Feministin oft als wütend betitelt wird. Mir ist es zum ersten Mal passiert. Irgendwie schwirren mir nach seiner Frage, noch mehr eigene Fragen im Kopf. Ich könnte ihn jetzt beleidigen, angreifen und aggressiv werden und somit sein Bild von der wütenden Feministin bestätigen. Ich antworte einfach nur mit einem trockenen “Nein”.

Wieso erscheinen wir wütend?

Aber woher kommt diese Behauptung? Werden Frauen gleich als wütend und zickig betitelt, wenn sie für ihre Rechte und Ziele kämpfen? Während Männer in solchen Situationen als durchsetzungsstark gelten? Warum werden Frauen oft Adjektive zugeteilt, die was mit Gefühlen zu tun haben? Auch ich kann zielstrebig und durchsetzungsstark sein, dabei bin ich weder zickig noch wütend.

Wie ein Drahtseilakt

Mittlerweile sollen Frauen doch bossy sein? Aber wisst ihr wie verdammt schmal der Grat zwischen zielstrebig und zickig, zwischen bossy und girly ist? Das ist täglich ein Drahtseilakt.

Vielleicht wird man wütend, wenn man ständig auf einem Drahtseil balanciert. Vielleicht wird man wütend, wenn man ständig auf seine Brüste reduziert wird. Vielleicht wird man wütend, wenn man weiß, dass Sexismus keine Seltenheit ist, sondern trauriger Alltag. Vielleicht sind aber nicht nur Feministinnen und Feministen wütend, sondern alle die soziale Ungerechtigkeit erfahren. Vielleicht ist das hier auch mein schlechtester Beitrag, da ich nur Fragen stelle und keine Antworten geben kann.

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