Die Sache mit dem Bauchgefühl

Grundsätzlich bin ich ein Gewohnheitstier. Der Ablauf, wie ich mich morgens fertig mache, ist seit Jahren gleich. Selbst die Reihenfolge, in der ich morgens die Social-Media-Apps checke ist beständig: zuerst Twitter, dann Instagram, dann Facebook. Die Direktnachrichten und Whatsapp-Nachrichten werden meistens erst auf dem Weg zur Arbeit gelesen und beantwortet.

Auch die Liebe zu HipHop und RedBull ist unverändert. Ich mag meine Komfortzone, die Sicherheit, die ich brauche, aber eben auch die Freiheit, über all das selbst zu entscheiden. Ich möchte nicht, dass andere über mich entscheiden oder meine Entscheidungsfreiheit einschränken. Das löst in mir automatisch einen Fluchtreflex aus.

Ich treffe erst Entscheidungen, wenn ich sie tausend Mal abgewägt habe, die Pros & Kontras von allen Seiten betrachtet habe und wenn ich auch noch ein paar Nächte darüber geschlafen habe. Natürlich habe ich dabei manchmal vergessen auf meinen Bauch zu hören. Doch dieses Jahr scheint es so, als wäre mein Bauchgefühl so laut wie noch nie. Wenn ich eine reinfaktisch gute Entscheidung getroffen habe, die für mein Wohlbefinden aber nicht gut ist, dann bestraft mich mein Körper mit Migräneanfällen, einem schlechten Immunsystem und einer Sehnenscheidenentzündung nach der anderen. Häufig sogar an beiden Handgelenken.

Also versuche ich immer mehr auf meinen Bauch zu hören und die Botschaften mit in meine gedankliche Pro-und-Kontra-Liste einfließen zu lassen. Somit habe ich dieses Jahr schon Dinge gemacht, vor denen ich mich früher vielleicht gedrückt hätte.

Einfach auf das Bauchgefühl vertrauen

Schon letztes Jahr habe ich das erste Mal ein Konzert fotografiert. Doch trotzdem hat es mich Anfang des Jahres Überwindung gekostet, als es hieß: „Hey, du fotografierst das Royal Bunker-Konzert von Kool Savas und Sido“. Alles in mir war auf Panik eingestellt, vor allem als ich all die Typen mit ihren riesigen Kameras gesehen habe, und am Ende habe ich dann doch ganz schöne Fotos geschossen. Wie man merkt, bin ich ein HipHop-Head durch und durch und trotzdem habe ich es nie auf das „splash!“ geschafft. Dieses Jahr hat sich der Superkumpel Gilbert aber für unsere Akkreditierung eingesetzt und zack, stand ich mit Presse- und Fotopass auf dem „splash!“. Dabei sind meine Kamera und ich seit nicht mal einem Jahr auf Konzerten unterwegs. Verrückt! Innerlich bin ich geplatzt vor Freude, als ich realisiert habe, dass ich unter anderem den Auftritt von J. Cole fotografieren darf. Außerdem habe ich mein erstes CD-Cover gestaltet. Dabei wollte ich mich davor ebenfalls drücken – und jetzt bin ich so froh, dass ich es gemacht habe.

Auch schon letztes Jahr habe ich damit begonnen auf Kunsthaut zu tätowieren. Dieses Jahr habe ich mich dann auch mal an einen Menschen getraut. So, als wäre es selbstverständlich. Leider fehlt mir momentan die Zeit für weitere Übungsstunden. Davor habe ich meinen ersten kleinen Zeitungsartikel geschrieben und somit das erste Mal Geld für einen Text von mir bekommen.

Ideen auch mal umsetzen

Die Interviewreihe, die ich mir selbst schlecht geredet hatte, habe ich jetzt auch einfach gestartet – und nur positives Feedback geerntet. Ich habe mich davor monatelang gefragt, warum kein anderes HipHop-Medium dieses so naheliegende Thema aufgreift und gedacht, die Idee wäre schlecht. Zum Glück habe ich diese Selbstzweifel überwunden.

Offenbar sagt mir mein Bauchgefühl dieses Jahr relativ oft: „Überwinde deine dummen, unnötigen Selbstzweifel und trau dich was“, und ich bin überrascht, wie viel Dinge passieren, die ich mir zwar gewünscht, aber nie daran geglaubt hatte. Nachdem ich „The Secret“ gesehen hatte, habe ich in meiner Wohnung ein paar Post-Its an die Wand geklebt und auf einem steht: „Ich werde meine Illustrationen ausstellen“. Wie es der Zufall so will, werden meine Bilder ab September wirklich vier Wochen lang in einem Berliner Restaurant hängen und dort auch zu kaufen sein.

Reflektieren was man schon geschafft hat

Wenn ich das alles so runterschreibe, ist es einfach verrückt, wie oft ich meine Komfortzone verlassen habe und nicht mit Geld, aber mit Glücksgefühlen überschüttet wurde. Ich gebe zu, dass ich oft zweifel, ob ich diese tausend Sachen weiterhin so gut jonglieren kann und wann es mir wirklich zu viel wird. Einzig und allein im Datingdschungel bin ich noch in meinem Selbstschutz gefangen. Es tut mir auch leid, wie wenig Zeit ich für meine Freunde habe, aber ich schwanke gerade zwischen Bauchgefühl, Geld verdienen und Träume erfüllen. Vielleicht habe ich mit diesem Text lauter böse Blicke auf mich gezogen und ab jetzt wird alles schief gehen. Vielleicht könnt ihr euch aber auch mit mir freuen, dass ich irgendwie meinen Weg finde und findet selbst den Mut etwas mehr auf euer Bauchgefühl zu hören. Gönnt mir und vor allem euch diesen Stolz und das langsam wachsende Selbstvertrauen.

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