Du denkst zu viel nach

„Du denkst echt zu viel nach.“ Ich glaube, diesen Satz würden all meine Freunde unterschreiben, wenn sie mich beschreiben müssten. Ich höre ihn auch relativ oft. Ich widerspreche dieser Aussage auch gar nicht, denn ich weiß, dass das stimmt. Dabei ist es vollkommen egal, um was es geht.

Ich denke immer schon tausend Schritte weiter. Ein kleines Beispiel: Vor ein paar Wochen habe ich das erste Mal eine Tattoomaschine in der Hand gehalten und auf Kunsthaut geübt. Schon danach habe ich recherchiert, welche Maschine was kann und wie viel sowas kostet. Soweit so gut. Aber in meinem Kopf ging es dann weiter mit Überlegungen wie „Ich brauche dann ja noch einen Künstlernamen. Was würde denn da passen?“, „Will ich dann eigentlich auch ein eigenes Studio?“, „Oh und ich muss dafür noch ein Gewerbe anmelden.“, „Brauche ich dafür ein Gesundheitszeugnis? Und wie ist das, wenn ich mit meiner Tattoomaschine rumreisen will?“, „Auf Conventions zu tätowieren ist bestimmt mega anstrengend.“, „Wenn ich unter der Woche als Mediengestalterin arbeite und noch meinen Nebenjob habe, dann kann ich nur am Wochenende tätowieren und muss so meine Termine genau planen, damit ich auch mal frei habe.“ und so weiter.

Zur Erinnerung: Ich hatte bis dato erst einmal eine Maschine in der Hand und wusste noch nicht mal, ob ich das weiter machen will. Aber schon auf dem Weg vom Tattoostudio nach Hause, habe ich über all das nachgedacht. Danach habe ich mich selbst ausgelacht, weil das einfach übertrieben ist.

Ich denke immer alle bis zum Ende

Auch wenn ich einen Typen kennenlerne, überlege ich schnell, welcher Charakterzug mich irgendwann stören würde, welche Eigenschaft meine Freundinnen gut finden würde und was meine Eltern stören könnte, aber auch welche meiner Eigenschaften ihn auf Dauer stören könnte, was seine Freunde an mir nervig finden könnten. Auch wenn mich eine Aussage oder ein Charakterzug an eine andere Person erinnert, denke ich viel darüber nach, ob da noch mehr Ähnlichkeit bestehen könnte. Ich spinne das ganze Beziehungskonstrukt bis hin zur Trennung, da ich grundsätzlich davon ausgehe, dass das Ganze doch eh nicht hält. Ironischerweise klingt dabei in meinem Kopf immer ein Tua-Zitat: „Wer liebt der denkt nicht, wer denkt der liebt nicht.“ Also mit meinem ganzen Gedankenkarussell verschenke ich mir selbst die Option auf Gefühle. Ihr merkt schon, es ist ganz schön anstrengend in meinem Kopf.

Diagnose „Kopfmensch“

Ich mache mir nicht so große Gedanken darum anderen zu gefallen, sondern eher darum, ob ich meinen eigenen Ansprüchen gerecht werde, ob ich mich vor irgendwas schützen muss, auf welche Stolpersteine ich mich einstellen muss und was alles passieren könnte. Richtig „könnte (!)“. Ich wäge einfach alles in meinem Kopf ab, sammle die Vor- und Nachteile und versuche den Plan in meinem Kopf soweit zu spinnen, um zu checken, ob es sich überhaupt lohnt, wenn ich mich darauf einlasse.

Natürlich weiß ich selbst, wie unnötig das alles ist und wie viel Energie ich damit verschwende. Auch darüber denke ich ständig nach, aber ich weiß nicht, wie ich das abstellen kann. Ich habe auch schon manchmal eine Kopfentscheidung getroffen, mit der sich mein Bauchgefühl nicht wohlgefühlt hat. Ich weiß auch, wie wichtig ein gutes Bauchgefühl ist. Ich lerne langsam immer mehr darauf zu vertrauen.

Inspiration wird manchmal zu Stress

Wenn ich beispielsweise einen Song höre und mir eine Zeile richtig gefällt oder bei mir hängen bleibt, dann überlege ich sofort, wie ich das in einer Grafik oder einem Foto verbildlichen kann. Somit bin ich inspiriert und das ist auch richtig schön. Aber auch damit ist mein Kopf dann voll. Voll mit lauter Ideen, gemischt mit To Do’s und so weit gesponnen Plänen, die niemand braucht. Manchmal springe ich dann zwischen verschiedenen Dingen hin und her, ohne auch nur eine abzuschließen. Wenn ich dann nicht kurz mal stoppe, bin ich gefangen in meinem Gedankenstrudel. Es ist nicht so, dass ich bei der ganzen Planerei Angst habe oder vor etwas wegrenne, sondern ich möchte es einfach nur von allen Seiten beleuchten. Wenn ich Freunden von einer Sache erzähle und dann aber im gleichen Atemzug sage: „Ja, aber ich muss auch an das und das denken.“ und somit auch manchmal Monologe führe, weil niemand so weit denkt, wenn ich von einer Idee erzähle, dann blicke ich in irritierte Gesichter und höre wieder den Satz: „Ey, Vanessa, du denkst echt zu viel nach.“.

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