Hochschlafen?

Gehen wir mal von dem Fall aus: Eine Frau hat sich in einer Männer-Domäne bewiesen und sich eine Führungsposition erarbeitet. Spätestens da geht das Getuschel los und es heißt: „Ach, die hat sich doch hochgeschlafen“. Meistens nicken alle zustimmend oder schweigen einfach. Aber das schlimmste ist eigentlich: Keiner widerspricht.

Als Frau ist man fast täglich mit dem Vorwurf belagert, dass man sich hochgeschlafen hätte. Sei es, weil man den Praktikumsplatz bekommen hat, weil man in der Schule in einem technischen Fach gute Noten bekommt oder weil man die Gehaltserhöhung bekommen hat.

Die Schuld bei anderen suchen

Es ist immer einfach die Schuld nicht bei sich zu suchen, sondern zu behaupten, dass sich die Frau einfach hochschlafen kann. Keine Sorge, liebe Männer, selbst Frauen behaupten, dass sich andere Frauen hochschlafen.

Aber betrachten wir doch dieses Thema „Hochschlafen“ mal aus der realistischen Perspektive. Welche Frau könnte sich denn tatsächlich die Karriereleiter hochschlafen? Hätte die Frau dann nicht das Gefühl, dass sie nicht ernstgenommen wird? Sobald der Typ, mit dem sie geschlafen hat, nicht mehr im Unternehmen ist, merkt der Nachfolger doch, dass die Kompetenz fehlt?

Hochschlafen? Funktioniert das wirklich?

Ich habe noch keine Frau im Berufsleben erlebt, die sich eine Beförderung oder einen Job durch Sex erschlichen hat. Vielleicht gibt es solche Fälle, aber sie sind nicht die Regel. Doch trotzdem müssen sich Frauen Tag ein und Tag aus anhören, sie hätten dieses oder jenes doch nur, weil sie sich hochgeschlafen haben, selbst wenn sie fachlich die besten auf dem Gebiet sind und sich alles ehrlich und hart erarbeitet haben.

Auch wenn ich – beispielsweise – aufgrund meiner Reviews bei rap-n-blues mal auf Gästelisten stehe oder wenn ich eine Jobempfehlung von alten Weggefährten bekomme, dann ist das aufgrund meiner Arbeit und nicht, weil ich mit irgendwem geschlafen habe. Aber diese Vermutung hängt so oft im Raum, als könnte man als Frau nichts anderes oder als wäre es komplett unverständlich, dass wir auch wirklich etwas Gutes leisten können. Bin ich die einzige, die das so sieht, oder kennt ihr einen Fall, in dem es wirklich funktioniert hat?

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