Lass uns über Brustkrebs reden

Wir sind uns alle einig, dass Krebs ein Arschloch ist. Fast jeder kennt jemand, der jemanden an den Krebs verloren hat. Immer wieder gibt es neue Ursachen, die bestimmte Arten von Krebs auslösen können.

Die häufigste Krebserkrankung bei Frauen ist der Brustkrebs. Bei dieser Krebsform bildet sich ein bösartiger Tumor in den Brustdrüsen. Meine Mama war einer der 70.000 jährlich Erkrankten. Die Diagnose kam ein paar Tage vor unseren geplanten Urlaub. Ich hatte gekocht, als meine Mama von der Untersuchung nach Hause kam und schon an ihrem Gesicht habe ich erkannt, dass sie keine guten Nachrichten hat. Das Essen bekam niemand von uns herunter. Aber meine Mama hob ihren Kopf und sagte dem Krebs den Kampf an.

Der Kampf beginnt

Damals war sie in einer der Forschungsgruppen und bekam schon vor der OP ihre Chemotherapie. Es bestand die Chance, dass der Tumor dadurch verschwindet. Glücklicherweise steckte sie die Behandlung gut weg. Sie ging ins Krankenhaus, lies die Chemodosis über sich ergehen und ging dann arbeiten – so als wäre nichts gewesen. Viele andere Patientinnen hatten mit vielen Nebenwirkungen der Chemotherapie zu kämpfen. Doch meine Mama kämpfte weder gegen Übelkeit oder Müdigkeit. Schon bevor sie, aufgrund der Chemotherapie, ihre Haare verlor, waren wir in einem Perückenladen und sie probierte verschiedene auf. Als ihr dann die Haare ausfielen, kam ihre Freundin mit einer Haarschneidemaschine vorbei und rasierte ihr die Haare ab. Danach stießen wir mit Sekt darauf an.

Es fiel niemandem auf, dass meine Mama eine Perücke trug. Manche fragten mich nur, ob meine Mama beim Friseur war. Ich antwortete mit einem Nicken. Durch die Chemotherapie ist der Tumor zwar kleiner geworden, doch er war immer noch zu groß um ihn rauszuoperieren. Also musste die ganze Brust amputiert werden. Die weibliche Brust ist nicht überlebensnotwenig, doch entscheidet bei Brustkrebspatienten oft über Leben und Tod. Die Entscheidung der Amputation fiel meiner Mama nicht leicht. Die Brüste sind das Symbol der Weiblichkeit, sie sind der Körperteil, der eine Frau gesellschaftlich ausmacht. Der Körperteil ohne den man sich vielleicht weniger als Frau fühlt, oder denkt, ohne sie würde etwas der Weiblichkeit fehlen. Aber im Endeffekt definiert eine Brust nicht die Person.

Brustkrebs kann gut behandelt werden

Aufgrund meiner familiären Vorgeschichte bin ich auch ein Risikopatient. Das weiß ich jetzt seit 13 Jahren. Aus diesem Grund spielt das Thema „Vorsorge“ für mich schon eine Weile eine Rolle. Es ist kein Gedanke, der rund um die Uhr in meinem Kopf rumschwirrt, aber er ist präsent genug. Leider ist dieser Gedanke nicht für alle präsent, somit gibt es Jahr für Jahr neue Krebserkrankte, die viel zu spät als solche erkannt werden. Dabei ist es so leicht. Es gibt Grafiken und Videos, die erklären wie man die eigenen Brüste nach Auffälligkeiten abtasten kann. Auch jeder Frauenarzt erklärt euch das gerne. Auch wenn ein Abtasten erst ab 30 Jahren beim Frauenarzt vorgesehen ist, hat bisher kein Frauenarzt meine Bitte nach einer Abtastung abgeschlagen. Jedes Mal wurde ich ernstgenommen und mir wurde erklärt in welchen Momenten meines Zyklus die Abtastung am sinnvollsten ist. Das sind regelmäßig zwei Minuten die über eure Gesundheit – und auch euer Leben –  entscheiden. Denn Krebs ist keine Alterskrankheit, sondern kann jeden Treffen.

Bild: Erdbeerlounge
Bild: Erdbeerlounge

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