Lass uns über den Selbstschutz reden

Was das Thema „große Liebe“ angeht, bin ich eher von der Fraktion Realistin – oder, um antifeministische Aussagen zu zitieren: „Du bist ja schlimmer als ein Kerl!“. Ich glaube an die Liebe, aber nicht in einer verklärten Rosaroten-Brillen-Welt. Romantische Filme wie „Titanic“, „Dirty Dancing“ und jegliche Disneyfilme halte ich für Märchen. 

Ich habe einfach ein großes Problem damit, mich abhängig von einer anderen Person zu machen. Abhängigkeit bedeutet für mich Schwäche – und irgendwie möchte ich immer alles sein, nur nicht schwach. Andererseits habe ich nie Probleme damit, wenn mir nahestehenden Personen Schwäche zeigen. Paradoxer Weise finde ich es sogar ein Zeichen von Stärke, wenn man auch mal Schwäche zulassen kann.

Ist der Selbstschutz gut?

Eine Zeile von Maxat trifft meine Rationalität ganz gut: „Doch im Endeffekt sind’s doch nicht mehr als chemische Prozesse“. Ich habe mit den Jahren eine Schutzmauer aufgebaut, von der ich alles überblicke und doch nichts an mich ranlasse. Manchmal finde ich das gut und manchmal einfach traurig. Traurig, weil ich so bin. Traurig, weil ich damit manche vor den Kopf stoße. Mit Komplimenten und Nettigkeiten kann ich meistens nicht umgehen. Mein Unterbewusstsein geht immer davon aus, dass ein Kompliment nur ausgesprochen wird, um irgendetwas zu bekommen oder zu erreichen. Somit reagiere ich meistens ohne nachzudenken mit Ablehnung. Aber es ist im letzten Jahr schon besser geworden. Wirklich.

Entgeht mir dadurch etwas?

Ich wurde auch schon gefragt, ob mir dadurch nicht viel Schönes entgeht. Meine Antwort darauf, ohne groß nachzudenken? „Mir bleibt dadurch aber auch vieles erspart“. Der kleine Möchtegern-Psychologe in mir findet dafür keine Erklärung. Meine Eltern sind noch glücklich zusammen, ich bin behütet aufgewachsen und abgesehen von ein paar falschen Freunden ist nichts Dramatisches passiert.

Vielleicht habe ich sogar ungewollt mehr Herzen gebrochen, als dass meins gebrochen wurde. Doch jedes Mal, wenn sich jemand die Mühe macht, ernsthaft an meiner Mauer zu kratzen und ich Stein für Stein abbaue, verfliegt das Interesse des Gegenübers und es zeigt sich, dass meine Mauer einen Sinn hat.

Willkommen auf meiner Schutzfestung mit Aussichtsplattform

Manchmal weiß ich selbst nicht, wie ich diese Mauer abbauen könnte. Ich glaube, dass irgendwann jemand kommt, der mir dabei hilft. Stein für Stein. Ich glaube, dass ich jemand finde, bei dem ich nicht das Gefühl habe, alles schützen zu müssen, sondern das Risiko gerne eingehe. Und manchmal tut es gut zu wissen, dass ich nicht die einzige mit so einer Schutzmauer, ach was, Schutzfestung mit Aussichtsplattform bin. Aus diesem Grund schreibe ich das.

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