Lass uns über Mut reden

Wie hier erwähnt finde ich es überhaupt nicht schlimm Single zu sein. Ich genieße meine Freiheit, meine Ruhe und die Zeit für meine Selbstreflexion.

Ich reflektiere meine Worte, meine Taten und Gedanken. Natürlich denke ich auch viel darüber nach, was andere sagen und tun. Manchmal kann ich Stunden, Tage oder sogar Jahre daran verschwenden das Gesagte und Getane von anderen zu interpretieren. Hobby-Psychologie lässt grüßen. Doch während ich so reflektiere, fällt mir auf, dass es mir in manchen Hinsichten an Mut fehlt. Dabei wirke ich auf viele mutig. Mutig, weil ich Dinge anspreche, die mich stören, oder weil ich Diskussionen nicht aus dem Weg gehe. Für manche ist es schon mutig, dass ich meinen unbefristeten Job in der schwäbischen Heimat gekündigt habe. Dabei ist das nicht meine mutigste Handlung.

Was ist überhaupt Mut?

Mir fehlt es an Mut, wenn ich Leuten sagen und zeigen soll, was ich kann. In Bewerbungsgesprächen verkaufe ich mich meistens unter Wert. Mir fehlt es an Mut bei freien Grafikanfragen einen angemessen Betrag zu nennen. Obwohl ich mir dessen bewusst bin, kann ich einfach noch nicht anders.

Aber was Gefühle gegenüber anderen angeht, bin ich der größte Feigling. Ich flüchte mich in Selbstschutz. Sich ernsthaft auf eine Beziehung einzulassen, ist für mich das mutigste überhaupt. Obwohl ich problemlos offen auf neue Leute zugehe, ist es für mich ein riesen Hindernis, mir zu erlauben etwas zu fühlen, was über eine Freundschaft hinausgeht. Dabei fehlt es mir nicht an Kompromissbereitschaft, sondern ich möchte nicht verletzt werden. Ich bin unfassbar rational und strukturiert, aber in dem Moment, in dem ich mich auf eine Person einlasse, gebe ich Kontrolle ab und dieser Kontrollverlust kann einen am Ende aus der Bahn werfen. Ich sehe schon zu Beginn das Ende auf mich zukommen und versuche mich darauf vorzubereiten. Mir ist bewusst, dass ich damit schon von Anfang an unfassbar viel kaputt mache. Aber die Angst gewinnt meist gegen die rosarote Brille.

Ich bewundere es

Es ist mutig sich auf jemanden einzulassen. So richtig. Mit Gefühlen, Nähe, Treue, Ehrlichkeit, Loyalität und Akzeptanz. Man ist am Ende auch verantwortlich für die Gefühle des Partners und sollte auch die negativen Seiten akzeptieren können. Denn perfekt ist auch der Traumtyp am Ende nicht. Bevor man sich auf eine Beziehung einlässt, sollten auch beide Seiten bereit sein an ebendieser immer weiterzuarbeiten. Auch sollte es einfach sein, Probleme ehrlich anzusprechen. Geheimnisse vergiften die Beziehung und säen den Nährboden für Eifersucht, Streit und Verletzungen. Sollte man die ganze Beziehung über versuchen, dem Partner nur die perfekte Seite zu präsentieren, nur um nicht abgelehnt zu werden, verbiegt man sich komplett und auch das ist eine Form von Unehrlichkeit. Egal ob man nun die ganze Zeit Pumps trägt, weil das dem Partner gefällt, obwohl man den ganzen Tag Schmerzen hat, oder ob man sich plötzlich für Science Fiction interessiert, nur um interessant zu wirken. Es ist schmerzhaft, wenn man für das, was man ist, abgelehnt wird. Wir haben gelernt uns anzupassen und unsere eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken, aber auf Dauer kann das nicht gut gehen.

In Zeiten des Internets ist es auch fast nicht mehr nötig so mutig zu sein. Viele leben aus reinem Selbstschutz im Datingdschungel. Sobald Gefühle da sind, suchen sie sich jemand anderen, nur um sich nicht mit den eigenen Gefühlen und denen des anderen auseinanderzusetzen. Im Endeffekt gibt es viele Feiglinge da draußen und es ist schwer sich das einzugestehen. Aber sich selbst zu reflektieren hilft. Vielleicht finde ich auch dabei irgendwann meinen Mut.

 

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