Mona Lina | Alphamädchen #30

Das Alphamädchen des Monats ist Lina Burghausen aka Mona Lina. Ihr Herz ist voller Liebe für Musik, vor allem für Hip Hop, und deshalb kümmert sie sich beruflich hauptsächlich um Musikpromotion. Von Donato, Galv, Haszcara bis hin zu Masta Ace ist alles dabei. Denn wer kann Leute besser überzeugen als jemand, der selbst voll und ganz hinter der Musik steht? Außerdem arbeitet die 28-Jährige noch als Texterin, Bloggerin und legt als DJ auf.

Linas Mission ist es, besonders Frauen* in der HipHop-Szene sichtbarer zu machen. Aus diesem Grund hat sie auf ihrem Blog die Aktion „365 Female MCs“ gestartet und sich durch die ganze Welt und mehrere Jahrzehnte Rapmusik gehört, um ein Jahr lang in monatlichen Blogbeiträgen insgesamt 365 Rapper*innen vorzustellen. In vielen Köpfen ist Hip Hop noch immer ein Genre, in dem Frauen eher wenig Raum finden, oder in dem Female Rap als eigenes Subgenre behandelt wird. Mit ihrer Aktion bricht Lina mit diesem Denken – und widerlegt die These, es gebe „einfach zu wenige Rapperinnen“ da draußen.

Ihre Anfänge in der Musikbranche machte Lina als Chefredakteurin von RapSpot.de. Anfangs hatte sie ein rein männliches Team unter sich und musste mit ihren damals 19 Jahren selbst lernen, das in der Rap-Szene vorherrschende Vorurteil, (andere) Frauen hätten ja keine Ahnung von HipHop und es könne nur eine geben, abzustreifen. Kritische Selbstreflektion, aber vor allem gegenseitiges Empowerment – darauf kommt es für Lina besonders an, wenn man sie nach einem Weg zu mehr Gleichberechtigung fragt.

Natürlich macht Lina weiterhin genauso gerne Pressearbeit für männliche* Rapper. Dennoch nutzt sie ihre Reichweite, um den Fokus immer wieder auf die Diversität von Female MCs zu lenken und möchte andere Frauen* in der Szene und darüber hinaus aktiv unterstützen. Während unseres Gesprächs waren wir uns einig, wie gut auch uns selbst dieses Empowerment tut und wie viel Kraft dieses alte Konkurrenzdenken uns raubte. Danke, Lina, für deinen Einsatz, deine Liebe und deine unendliche Kraft.


Was treibt dich an?

In erster Linie natürlich meine Liebe zu Musik und insbesondere zur HipHop-Kultur. Ich komme aus einer Musiker*innenfamilie – Musik ist also vermutlich ein so fester Bestandteil meiner DNA, dass ich ohne einfach nicht kann. In dem Feld arbeiten zu können, das ich am meisten liebe, verstehe ich jeden Tag als unfassbar großes Geschenk. Auf der anderen Seite haben gerade die HipHop-Kunstformen eine unfassbare Power. Genauso wie HipHop mich in meinem Leben empowert hat, empowert er andere Menschen und lehnt sich gern auch mal gegen gesellschaftliche Konventionen auf – und sind wir ehrlich, dafür gibt es, so wie unsere Welt heute aussieht, mehr als genug Gründe. Deshalb ist es mir auf der einen Seite ein Anliegen, mit Mona Lina Künstler*innen zu supporten, die eine musikalische Vision auch abseits des Mainstreams haben und die wichtige Statements in ihrer Musik setzen. Auf der anderen Seite nutze ich meinen Blog, um Musikerinnen* verstärkt zu pushen.

Ich bin die ewigen Diskussionen, dass Frauen ja angeblich heute genau die gleichen Chancen hätten wie Männer, und dass Frauen ja einfach nur weniger Talent/Interesse an Musik hätten, leid. Deshalb möchte ich meinen Impact nutzen, und insbesondere Rapperinnen* eine Plattform geben. Zum einen damit die ewigen Ausreden von wegen “Wir würden ja über Frauen schreiben/sie buchen, aber es gibt eben kaum welche” keinen Bestand mehr haben, zum anderen damit andere Frauen und Mädchen, aber auch Jungs und Männer sehen, was für wundervolle potenzielle Vorbilder es unter diesen Female MCs gibt. Das viele gute Feedback zu meiner Arbeit und zu der Aktion motiviert mich natürlich immer weiter.

Woher schöpfst du deine Energie?

Zum einen aus Liebe zur Sache – HipHop ist ja nicht nur auf beruflicher Ebene ein absolut zentraler Bestandteil meines Lebens. Wenn ich dann auf der Releaseparty einer*eines Künstler*in stehe und ihr*ihm beim Abreißen zusehe, dann weiß ich wieder, warum ich mir all die Arbeit antue (lacht). Zum anderen sind regelmäßige Meditationen ein wichtiger Bestandteil meines Alltags geworden, genau wie richtige Auszeiten, in denen ich beispielsweise wandern gehe und das Handy auch mal ausbleibt. Genauso selbst Musik zu machen, zum Beispiel zu singen oder auf der Gitarre rumzuklimpern, dazu zu schreiben – das ist ein super Ausgleich. Meine größte Energiequelle sind aber definitiv mein unfassbar toller Freundeskreis und meine Familie – bezüglich toller Menschen bin ich wirklich unfassbar gesegnet in meinem Leben, ohne die ginge nichts.

Was macht für dich ein Alphamädchen aus?

Ein Alphamädchen oder eine Alphafrau versteht Weiblichkeit als etwas Positives, Starkes. Sie setzt sich aktiv mit ihren Bedürfnissen auseinander, steht für sich, aber auch für andere ein, gibt Kontra, auch wenn es mal unbequem ist. Sie hat den Mut, sie selbst zu sein, mit allem was dazu gehört, in einer Welt, die ihr dazu nicht immer den Platz geben möchte. Sie setzt ihre eigenen Werte und ihren Selbstwert über die Erwartungen anderer, versteht sich aber trotzdem als Teil dieser Welt und handelt verantwortungsbewusst. Und: Sie empowert und supportet andere, insbesondere andere Frauen.

Würdest du dich selbst als Alphamädchen bezeichnen?

Ja. Vielleicht kein Bilderbuch-Alphamädchen – aber womöglich zeichnet mich gerade das aus.

Wie sieht deine Zukunft in deiner Vorstellung aus?

Ich möchte weiterhin an der Schnittstelle zwischen Medien und Musik arbeiten, meinen eigenen Weg in der HipHop-Szene gehen und so über sie hinaus einen Impact haben. Vielleicht kann ich irgendwann jemanden einstellen, der meine Vision teilt. Wenn ich darüber hinaus noch mehr als genug Zeit für meine Herzensmenschen und die ein oder andere Reise (am liebsten in warme Länder) habe, gesund bin und mit mir selbst im Reinen, bin ich unfassbar glücklich.

Was sind deine Skills?

Kommunikation, HipHop- und Musik-Knowledge, Menschen kennen und connecten, gute Texte schreiben, verrückte Projekte anstoßen, kreativ denken und handeln, ein gutes Händchen für die richtige Musikauswahl, Empathie, Begeisterungsfähigkeit und eine riesige Portion Idealismus

Hast du ein Vorbild?

Nicht im klassischen Sinne, aber es gibt viele Frauen, die mich unfassbar inspirieren. Da wäre zum einen Beyoncé, von der ich seit der Grundschule Fan bin, und deren Innovationsfähigkeit, Geschäftssinn und Selbstbewusstsein mich immer wieder beeindrucken, begeistern und auch beeinflussen. Jean Grae war die erste Rapperin, die mir mit ihrer Klugheit, ihrem Eigensinn und ihrer Kreativität weit über ihre Tätigkeit als MC hinaus zu einer Art Vorbild wurde. Auch Tricia Rose, die mit “Black Noise” das erste akademische Werk über HipHop veröffentlichte und bis heute eine der wichtigsten Stimmen der internationalen HipHop-Studies ist, ist eine wichtige Inspiration. Als Gründerin bewundere ich die Schweizerin Sandra-Stella Triebl (Gründerin von Swiss Ladies Drive). Dazu gibt es aber auch in unserer Branche unfassbar tolle Personen, insbesondere Frauen, zu denen ich aufschaue.

Drei Hashtags, die dich beschreiben?

#hiphopnerd
#womanwithattitude
#worldwidewoman

Siehst du Frauen eher als Konkurrenz (Stutenbissigkeit), oder als Mitstreiterin?

Ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich andere Frauen ähnlich abwertend behandelt habe, wie ich auch selbst behandelt worden bin. Glücklicherweise ist mir das irgendwann bewusst geworden – seitdem ist es mir ein riesiges Anliegen, andere Frauen* zu supporten. Ich wünsche mir da unbedingt noch mehr Miteinander, Austausch und gegenseitiges Empowerment. Ich empfinde den intensiven Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Frauen* aus der Szene, aber auch darüber hinaus, als unfassbar bereichernd, bestärkend und wertvoll.

Welches #Alphamädchen sollten wir deiner Ansicht nach als nächstes vorstellen?

Es gibt so viele Alphamädchen und -frauen, die einen Beitrag auf diesem wunderbaren Blog verdient hätten. Spontan fallen mir ein: Dani Fromm (unfassbar tolle HipHop-Redakteurin bei laut.de), meine großartige Kollegin Nash Nopper sowie Buzy A, DJ und DJ-Coach aus Leipzig. Wenn ich mich entscheiden muss, sollte das nächste Alphamädchen für mich aber Imke Machura sein, die mit ihrer Raketerei mit ganz viel Hingabe Musikerinnen auf ihrem Weg zum Erfolg hilft und dazu einen großartigen Podcast über Frauen in der Musikindustrie macht.  Aber auch Julia Wartmann ist ein Alphamädchen, sie ist die Chefin vom Newcomer-Contest “local heroes”.

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