Pass auf dich auf

Egal mit welcher Frau ich rede, jede kennt das Szenario: Nach dem After-Work-Drink (oder ähnlichem) läuft man nach Hause. Man nimmt nicht den kürzesten Weg, sondern den mit der besten Beleuchtung. Die Schlüssel werden häufig zwischen die Finger geklemmt – für die Sicherheit. Man hat das Handy auch schon mal in der Hand. Kommt auf dem Weg auch noch einer Gruppe angetrunkener Männer entgegen, gibt es drei Optionen: Die Straßenseite wechseln, so tun als würde man telefonieren, oder an der Gruppe vorbeilaufen, niemanden angucken und jeglichen Spruch ignorieren.

Selbst wenn man noch mit einer Freundin unterwegs ist, bleibt man von sexistischen Sprüchen nicht verschont.

All das sind Vermeidungsstrategien, die wir uns über die Jahre angeeignet haben. Seit einiger Zeit gibt es auch Apps, mit denen man das Sicherheitsgefühl steigern soll. Die Route nach Hause wird in einer Zentrale getrackt, es gibt einen Notfall-Button und wer möchte, kann mit der Zentrale telefonieren, bis man sicher zu Hause ist.

Das ist wirklich eine gute Sache. Doch im Endeffekt haben wir mit diesen ganzen Hilfsmitteln und Vermeidungsstrategien einen Teil unserer Freiheit eingeschränkt. Wir können nicht einfach nach Hause laufen, nein, wir müssen uns vorher Gedanken machen und uns irgendwie absichern. Vielleicht nehmen wir deshalb eine Bahn eher, rufen uns ein Taxi oder fahren gleich mit dem eigenen Auto.

Pass auf dich auf

Schon als Kind wird uns Mädchen eingetrichtert “Pass auf dich auf!”, “Lass dich nicht von Fremden anquatschen.” und “Zieh nicht den kurzen Rock an.” Sagt auch irgendjemand zu den Jungs “Belästige niemanden. Weder verbal noch körperlich.”, “Sprich nicht einfach so Fremde an.” und “Ein kurzer Rock bedeutet nicht, dass du die Frau anfassen kannst.”? Natürlich hält das nicht alle davon ab, aber vielleicht wird dadurch ein Bewusstsein dafür entwickelt.

Wir sind nicht schuld

Wieso wird schon kleinen Mädchen beigebracht, dass sie irgendwie auch selbst schuld sind, wenn ihnen was passiert? Wieso wird nicht auch kleinen Jungs beigebracht, was in diesem Zusammenhang richtig oder falsch ist? Vielen ist nicht mal bewusst, was für Gedanken wir uns auf dem Nachhauseweg machen, weil fast keine Frau darüber redet. Jede einzelne von uns kommt sich dabei manchmal paranoid vor, aber jede von uns macht es und ist froh, wenn sie zu Hause dann die Tür hinter sich abschließen kann.

One thought on “Pass auf dich auf

  • 30. April 2017 at 8:46 pm
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    Warum kann man diesen Beitrag nicht liken?

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